Karten und Berge, 2012, Schulwandkarten, Holz, Rauminstallation, 2,5 x 5 x 5,5 m

Karten und Berge

Die Landkarten im Erdkunde- und Geschichtsunterricht boten uns damals ein farbenfrohes Bild der Welt, es war ein visuelles Herantasten mit ziemlich großen Augen an das ziemlich große Römische Reich und an all die vielen Länder mit ihren Bodenschätzen und Industrien. Wir lernten, welche Völker wann und warum kurvenreich (in lila, grün oder blau, je nachdem…) in Pfeilrichtung durch Europa zogen, was die Soester Börde ist und dass die Donau in diesem "Schwarzen Meer" endet. Selbstredend konnte man (fast) alle deutschen Mittelgebirge aufzählen, die Hauptstädte aller großen Länder: kein Problem! Die Falkland- inseln? Sehr weit weg! Und Deutschland um 1800? Ziemlich bunt! Die Welt war heile, übersichtlich und verständlich. Schulkarten boten uns ein wohliges Gefühl des Überblicks, die Verortung in der Welt war eine Leichtigkeit.

Haben diese Karten noch Einfluss auf die Strategien, mit denen wir uns heute in der Welt zurechtfinden? Der erneute Blick auf die alten Karten aus der Schulzeit wirft genau diese Fragen auf: Fragen nach der eigenen politischen wie ästhetischen Sozialisation, der eigenen und auferlegten Erarbeitung der "Welt", der Orientierung in ihr und dem daraus resultierenden Selbstverständnis.
Mit der installativen Arbeit "Karten und Berge" habe ich diese Fragen anhand ausgedienten Kartenmaterials räumlich zur Diskussion gestellt und darüber den Versuch einer Standortbestimmung in der Gegenwart unternommen.

Sehr herzlich möchte ich mich bei folgenden Schulen für die Bereitstellung der Karten bedanken:

Leibniz-Gymnasium, Dormagen
Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, Köln
Liebfrauenschule, Köln
Kaiserin-Augusta-Schule, Köln