Der gute Geist, 2018, Holz, Styropor, Baumwollstoff, Knochenleim, Pigment, Putzgips, Acrylfarbe,
Höhe insgesamt: 290 cm, Figur: 215 cm

 

Eindrücke vom Eröffnungsabend

 

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Zweiwöchige Dokumentation

* Fotos: Astrid Piethan

 

 

 

 

Der gute Geist

Der Ebertplatz im Zentrum Kölns ist seit langer Zeit Schauplatz hitziger Debatten um die Frage, wem der öffentliche Raum gehört, welche gesellschaftlichen Gruppen und Akteure an dieser Diskussion beteiligt sind, bzw. nicht beteiligt sind und bei wem die Entscheidungsgewalt über die Gestaltung und den Fortbestand des Platzes liegt. Für die Kölner Öffentlichkeit fungiert der Ebertplatz seit Jahren als Kulmina­tionspunkt und Blitzableiter für verschiedene stadtpolitische Probleme, die zurückgeführt auf ihren Kern weitestgehend gesamtgesellschaftliche Probleme sind, die sich im Prinzip an allen Orten in Deutschland zeigen oder zeigen könnten.

Vor diesem Hintergrund ist die Statue „Der gute Geist“ entstanden. Die Gestaltung des Ebertplatzes mit seiner brutalistischen Architektur der Siebzigerjahre erinnert an eine quasi in Beton gegossene städtebauliche Zuversicht, dass eine lebendige Öffentlichkeit diesen Platz schon bevölkern wird. Dieser „Geist“ ist längst verflogen und von der Realität eingeholt worden. Auch der Namensgeber des Platzes, Friedrich Ebert, Sozial­demokrat der Weimarer Republik und Gründer der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, scheint substantiell an Wirkmacht eingebüßt zu haben. Der gute Geist, nur noch ein Denkmal? Die derzeitige tiefe Krise der deutschen Sozialdemokratie veranlasst einmal mehr zu derlei Fragen.
Geisterhaft thront „der gute Geist“ über der Westseite des Platzes mit direktem Blick auf die Ausstellungsräume in der Unterführung und fragt, wer unter dem Schleier des Gewandes verborgen ist und wer die Figur verhüllt hat.  

Die Arbeit wurde in der Nacht der Eröffnung von Unbekannten mutwillig zerstört. Dies war, gemäß des Konzeptes der zweiwöchigen Ausstellung „Alles Andere“, für die diese Arbeit entwickelt wurde, absehbar und einkalkuliert. Dass dieser Angriff nur Stunden nach der Eröffnung passierte, war dennoch beeindruckend. Um der zerstörten Figur ein wenig Würde zurückzugeben, entfernte ich den lädierten Stryroporkörper, fixierte das Gewand mit Schrauben am verbliebenen Sockel und dokumentierte fortan die weiteren Entwicklungen. Erst mit dieser Dokumentation reifte die Arbeit zu ihrer eigentlichen Intention und Aussage.  

Alles Andere - eine Ausstellung im öffentlichen Raum am Ebertplatz, 7.- 20. Juli 2018

Teilnehmende KünstlerInnen:
Tobias Becker, Julia Bünnagel, Pascal Fendrich, Diane Müller, Linda Nadji, Martin Plüddemann, Winterkälte

Ebertplatzpassage, 50668 Köln

Aktuelle Entwicklungen zum Geschehen auf dem Ebertplatz unter: www.unser-ebertplatz.de